Mittwoch, 6. April 2011

Indian Pacific - 65 Std. - 4,352 km von Perth to Sydney

Das Symbol vom Indian Pacific ist Australiens groesster Adler, mit 2m Fluegelspannweite. Es soll bedeuten, der Indian Pacific ist wie der Adler, der mit den Fluegeln den ganzen Kontinent umspannt. Heute ist es so weit, ich reise mit dem Indian Pacific quer durch ganz Australien, von Perth bis Sydney.

Es gibt verschieden Moeglichkeiten zu reisen, entweder in einem Schlafsessel, in einem halben Schlafabteil mit 2 Betten uebereinander und mit jemanden anderen zusammen, oder natuerlich auch eine Einzelkabine. Ich habe mich fuer das halbe Red Sleeper Schlafabteil entschieden, denn bei 4 Tagen und 3 Naechten wollte ich nicht unbedingt im Sessel schlafen und das Einzelabteil uebersteigt mein Budget.

Ich fahre auch nicht alleine, ich treffe mich an der Railwaystation mit Daniel, er war auch mit mir auf der 7Tage Tour Perth - Exmouth - Perth. Er hat  nur den Schlafsessel gebucht (aber er ist auch erst 20 J. alt) und nur bis Adelaide, dort steigt er aus und  faehrt Richtung Ayers Rock, aber wir werden uns sicher trotzdem im Zug sehen.

Es ist der 03.04.11 und 2 Std. vor Abfahrt muessen wir am Bahnhof sein um unseren Voucher in ein Ticket umzutauschen,  2 Gepaeckstuecke a 20 kg darf man aufgeben, in den Zug darf nur Handgepaeck mit.
Also Morgens entsprechend packen. Rucksack und Reisetasche werden aufgegeben, und in meine Strandtasche kommt Waschzeug, Waesche zum wechseln usw. Dazu noch meine Cool Box (Hi Verena, das ist keine Kuehltasche in unsere Sinn, sondern eine Tasche aus Vliessstoff, innen mit Folie ausgekleidet, um Lebensmittel im Kuehlschrank aufzubewahren) aus dem YHA mit etwas Verpflegung, Wasser, Sandwich, Bier, Donuts. Dann noch die Kameratasche und meine regulaere Umhaengetasche mit Papieren, Geld, Handy usw. Also immer noch 4 Taschen auf die man aufpassen muss, da war ich froh, als ich die anderen beiden Gepaeckstuecke abgeben konnte.

Ich erhalte meine Wagen- und Kabinennummer und Daniel ist gleich drei Wagen weiter, dazwischen ist die Red Sleeper Lounge und das gemeinsame Bordbistro, das passt.
Ich besichtige sofort mein Schlafabteil, es sind 2 gegenueberliegende Sitze, mit einem Klapptisch in der Mitte. Neben dem einen Sitz kann man ein Handwaschbecken ausklappen, Wasser laeuft! Beim zusammklappen des Beckens laeuft das Wasser in einem darunter liegenden Behaelter ab. Neben dem anderen Sitz sind uebereinander zwei schmale Schrankfaecher in die jeder sein Handgepaeck unterbringen kann.  

Wenn der Tisch eingeklappt ist wird von der Wand ein Bett darueber aufgeklappt und von der Decke wohl ein zweites heruntergeklappt. Alles ziemlich eng, aber ich bin ja schlank (hi, hi).
Im Flur des Wagens gibt es zwei Toiletten und zwei Duschkabinen.
Mit mir erscheint meine Abteilpartnerin, eine aeltere Dame (vom Aussehen so ca. 70 Jahre alt, Faltenrock im Gesicht und wie 17 geschminkt), die mir energisch und zickig in kaum verstaendlichen Englisch mitteilte, dass sie unten schlafen muss, sie ist nicht ganz gesund (das Gefuehl hatte ich auch) und sie wuerde auf keinen Fall oben schlafen.

Da sie das sehr boese und auch agressiv rueberbrachte, erwiederte ich nur, ich haette auch Probleme mit dem Ruecken, kann auch nicht aufs obere Bett und verliess sofort das Abteil. Ich sprach vor dem Zug direkt den Zugmanager an, schilderte das gesundheitliche Problem von uns, fragte freundlich ob alle Abteile ausgebucht sind oder ob ich evtl. das Abteil tauschen kann. Er telefonierte etwas rum und es klappte, ich erhielt ein anderes Schlafabteil fuer mich alleine bis Adelaide, da wechselt das Personal und es muss dann nochmal mit dem neuen Manager geklaert werden. Das ohne Zuzahlung, einfach so, das waere in Deutschland nicht moeglich. Wir erhielten dann noch ein rotes Armbaendchen (wie bie All Inclusive) und mussten es auch direkt umbinden. Nur Leute mit diesem Baendchen durften in die Lounge und die Schlafabteile.



Nachdem ich mich haeuslich eingerichtet hatte, erkundete ich erstmal die anderen Wagen. Die Red Sleeper Lounge war ein Wagen nur mit Polstersesseln und Tischen eingerichtet und es gab einen Kaffeeautomaten an dem man 24 Std. kostenlos Kaffee erhalten konnte.
Im naechsten Wagen war die Snack Bar, es gab dort Fuehstueck, Lunch und Dinner. Toast, Salat, kleinere Mahlzeiten wie Chili Con Carne mit Backkartoffel, Nudeln mit Gemuese und diverse kalte Getraenke wie Cola, Wasser, Bier und Suessigkeiten. Weiterhin gab es 7 Tische mit Baenken an dem man Essen konnnte.
Ich testete die Tage alles durch, die Mahlzeiten waren schmackhaft, aber ein bisschen klein. Gut, dass ich noch Proviant dabei hatte.


Im naechsten Wagen fand ich dann Daniel, der es sich in seinem Sitz bequem gemacht hatte aber sich waehrend der Fahrt dann doch ueberwiegend in der Red Sleeper Lounge aufhielt. Er hatte direkt mitbekommen (viel schlau), dass er fuer 15 AUS zwar nicht in unseren Schlafwagen darf, sich aber in der Lounge aufhalten kann (er erhielt ein gelbes Baendchen).  Das war bequem und praktisch, Kaffee kostenlos,  dort konnte er auch in Ruhe seinen Laptop anschliessen und so konnten wir gemeinsam unsere Bilder ansehen und austauschen und die letzte Nacht hat er auch dort geschlafen.

Abfahrt war um 11:55h, auf der Fahrt hatten wir 5Stopps. Der Aufenthalt war teilweise ziemlich lange und man konnte bei diesen Stopps verschiedene Touren buchen. Ich buchte direkt 2 Touren.

 
Nach einem schoenen Sonnenuntergang war dann der erste Stopp in Kalgoorlie um 22:20h, weiter ging es um 01:40h. Ich hatte dafuer eine Tour mit Stadtrundfahrt und Besichtigung einer Goldmine gebucht. Das haette ich mir auch sparen koennen.
Wir wurden mit einem Bus ganz langsam durch die Stadt gefahren. Es gab zwar wunderschoene alte Haeuser, aber alles war dunkel und geschlossen, kein Mensch war auf der Strasse (war ja auch schon spaet). Die Goldmine lag etwas ausserhalb und es war eigentlich nicht mehr als ein grosser Bauplatz von dem man in der Tiefe in der Dunkelheit die Miene nur ahnen konnte.
Na ja, zumindestens konnte ich vor und nach der Fahrt rauchen, das war ja auch was (eigentlich kam ich ganz gut ohne zurecht, es reichte aber nicht, um aufzuhoeren).




Danach ging es in das inzwischen vom Personal vorbereitete Bett, es wurde komplett mit Laken, Decke und Kopfkissen heruntergeklappt. Es war zwar nur eine schmale Koje, aber ich konnte mich zumindest ausstrecken, geschlafen habe ich trotzdem nicht viel. Morgens musste erstmal mein Proviant dran glauben, dazu gab es frischen kostenlosen Kaffee zum Fruehstueck.









Die Landschaft ist faszinierend, man kann anscheinend Kilometerweit ausser Sand und mehr oder weniger Bewuchs nichts sehen. Ich moechte da nicht zu Fuss ohne Wasser unterwegs sein. Die groesse und weite des Kontinents wird einem jetzt erst richtig klar.







Daniel und ich holten uns von den zur Verfuegung stehenden Spielen "4 gewinnt" und "Kniffel" um uns damit die Zeit zu vertreiben, waehrend die Landschaft an uns vorbeiflog.

 
Nach weiteren Stopps  in Cook und Pt. Augusta (es gab nur kurz die Moeglichkeit, sich die Fuesse zu vertreten, aber sonst gab es da nichts) waren wir am Dienstag um 07:20h in Adelaide. Personalwechsel und ich klaerte erstmal ob ich  meine Einzelkabine behalten kann. Ja, es hat wieder geklappt, graet!
Witzig war, das das komplette neue Personal sich vor dem Zug aufstellte und die Reisenden begruesste, sowas hatte ich noch nirgends gesehen.






Daniel stieg dann in Adelaide aus, um in sein gebuchtes YHA zu fahren.  Ich hatte in Adelaide eine Stadtrundfahrt gebucht und musste also auch so frueh raus.
Daniel verabschieden und rein in den Bus.

2 Std. durch Adelaide. Die Tour war sehr interessant, der Busfahrer erzaehlte lustig und viel und ich verstand auch das meiste. Adelaide ist eine sehr schoene und interessante Stadt und sicher einen Besuch wert. Es gibt viele grosse Strassen mit modernen Hochhaeusern, Einkaufsstrassen, aber auch viele alte und gut erhaltene Haeuser von frueher. Adelaide soll nicht von Strafgefangenen gegruendet worden sein, sondern nur von Freien Siedlern und unter anderen auch von vielen Deutschen und es gibt da das bekannte Weinanbaugebiet Barossa Valley.

 
 
Um 10:00h ging die Zugfahrt weiter. Landschaftlich wurde es immer gruener und nach einem ruhigen, gemuetlichen Tag und noch ein paar netten Gespraechen mit zwei Australierinnen ging es Abends entspannt in die Koje.

 
Letzter Tag der Reise und je naeher wir Sydney kamen je gruener wurde es und bald waren wir auch schon in den Blue Montains, das sind Berge mit ganz vielen Blautannen, daher soll der Name kommen.
Immer mehr kleine Orte und Staedte tauchten auf und bald auch die Vororte von Sydney.




Mit etwas Verspaetung erreichten wir dann Sydney am 06.03.11 anstatt um 10:20h erst um 11:50h.
Aber was ist in diesem Kontinent schon Zeit.


Die Fahrt war schon ein Erlebnis, aber auch ziemlich lange. Um ein Gefuehl fuer die weite des Landes zu erhalten reicht auch die Haelfte der Strecke aus. Als Tipp fuer Reisende, die auch nach Alice Springs zum Ayers Rock und den Olgas wollen, empfehle ich es wie Daniel zu machen. Entweder Sydney bis Adelaide oder Perth bis Adelaide und dann nach Alice Springs.
Ich war dort ja schon und wollte auch nach Sydney und da bin ich jetzt, bei leider nur ca. 22°C (Perth 32-37 °C), das ist doch schon etwas frisch. Um jedoch Sydney zu erkunden und vieles zu besichtigen, ist das Wetter sicher besser geeignet.























































3 Kommentare:

  1. Danke für den ausführlichen Bericht und die Erklärung der Kühltüte. ;-)

    Toll was Du alles unterwegs erlebst. Ich hab mich schon gewundert wie das wohl für Dich sein wird, so lange in einem Zug durch einen Kontinent zu reisen. Schön, dass Du endlich in Sydney angekommen bist und ich freu ich mich schon auf neue Berichte.

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  2. Hallo Brigitte. Wir wünschen Dir viel Spass in Sydney.Lieben Gruss Paul und Nina

    P.S. Übrigens liegt SIDNEY in Kanada :-)

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  3. Hi Nina und Paul,
    Danke fuer den Hinweis, I'm so sorry, natuerlich bin ich in Sydney
    und es einfach nur toll.
    Ganz liebe Gruesse auch an alle Euler3er
    Brigitte

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